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Irischer Segenswunsch

Immer möge das Sonnenlicht
auf Deinem Fenstersims schimmern
und in Deinem Herzen die Gewissheit wohnen,
dass ein Regenbogen auf den Regen folgt .

Neu in Käthes Nähstunde Puppenwagengarnitur

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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Eine Erzählung von meinem Großvater


Heute möchte ich Euch einladen,
diese Erzählung meines Großvaters aus dem Jahre 1956 zu lesen.
Er erzählt u.a. wie früher der Tannenbaum besorgt wurde.


Ein jeder, und wenn auch nur einigermaßen gefühlvolle und denkende Mensch wird wohl etwas Liebe und Anhänglichkeit für seine Heimat haben und es kann daher niemand wundern, wenn wir Flüchtlinge, die wir nun schon fast elf Jahre in der Fremde sind, unser liebes Ostpreußen nicht vergessen können und uns in Gedanken so viel und so gerne, bei Tag und bei Nacht, dort aufhalten!
 Und da ist es für uns ganz besonders der Kreis Goldap, an dem wir mit allen Fasern unseres Herzens hängen! Ich wenigstens kann mir kein schöneres Plätzchen auf Erden denken, als unser Plautzkehmen oder, wie es jetzt heißt: Engern! - Ich weiß, meine lieben Nachbarn werden mir darin beistimmen! 
Im Norden begrenzt von der schönen Rominter Heide, im Süden vom Czarner See. Die Bahnlinie, die das geschlossene Dorf und die Abbauten in zwei Bezirke teilte, was besonders von Wichtigkeit war bei Volks- und Viehzählungen und dann nachher auch bei den vielen "Sammlungen zum Hilfswerk" - mit ihren beiden so nah gelegenen Stationen Rakowken und Meschkrupchen, hat uns viel Bequemlichkeit geboten, dann die Chaussee, die kurz vor dem Kriege zur schönen Asphaltstraße ausgebaut worden war, nicht zu vergessen das in letzter Zeit eingerichtete Überlandwerk, wodurch in ganz absehbarer Zeit auch das letzte Gehöft mit Licht und Kraft versorgt gewesen wäre - alles hat sehr viel zur "Verbesserung unseres Lebensstandards" beigetragen.
 Was aber am meisten mit uns verwachsen ist, besonders mit uns Alten, das ist der Wald und der See!
 Welchen Nutzen, welche Vorteile bot uns doch allen die Heide! 
Es war jedem so leicht gemacht, besonders bis 1933, sich mit Brenn- und auch mit Baumaterial einzudecken, die vielen Holzversteigerungstermine, besonders zur Winterzeit boten dazu reichlich Gelegenheit und waren für manche richtige Festtage geworden. - Bis zum Weltkrieg, ja ich denke, sogar bis in die 20er Jahre hinein, hatte die Forstverwaltung einige Jagen für Viehweide freigegeben, was besonders für die kleinen Leute, die Einkuhhalter, von großem Nutzen war. Wie manchen Korb bzw. Eimer voll Beeren, besonders Himbeeren, haben wir als Kinder nach Hause geholt, wie mancher Korb Pilze, gut gereinigt und zubereitet, hat uns zu einer guten Mahlzeit verholfen, ja vieles von diesen beiden wurde zum Markt gebracht und kam dadurch der Volksernährung zugute! Zum Sammeln dieser Sachen sollte man immer sogenannte Erlaubnisscheine haben, aber die Forstbeamten waren durchweg Männer, die Verständnis hatten, und ich glaube die Anzeigen, die von ihnen über unerlaubtes Sammeln von Beeren und Pilzen gemacht wurden, ließen sich leicht (über Jahrzehnte hinaus!) zusammenzählen.

 Mit den Weihnachtsbäumen war es ebenso, da hat wohl selten einer, wie es eigentlich Anordnung war, sich vorher beim Förster für 50 Pfennig oder eine Mark einen "Berechtigungsschein" geholt, sondern in der Adventszeit, meistens erst in der letzten Woche vor dem Fest, holte man sich einen schönen "Tannenbaum", je nach Geschmack: der eine nahm in kleiner, der andere größer. Allerdings nicht aus einer Schonung, das wäre Waldfrevel gewesen - sondern aus den Eichenanlagen oder aus dem alten Bestand, wo das kleine Baumzeug sowieso ganz wertlos war. Ich erinnere mich, an die Jahre 1932 bis 1934, als ich mein Gehöft nach dem Felde verlegte und viel Bauholz aus dem Budweitscher Revier holte, da fragte ich den alten Förster Westphal, ob er mir nicht einen Schein für eine Mark geben möchte, damit ich mir einen Baum mitnehmen könnte?
".......", sagte er da in seiner plattdeutschen Weise, " wo Se sich sonstjoahre e Bom besorgt häbbe, doa hoale Se sich äm ock dittjoahr - dä Schien on dat Önnrecke am Forschtamt moakt soväl Schriewerie, dat sich dat möt de eene Mark goarnich bezoahlt". Da wußte ich Bescheid und wir waren Weihnachten nicht ohne Baum...! -

 Die Nachbarn, die den Holzeinschlag machten und auch sonst im Walde arbeiteten, wovon mehrere in unserem Dorfe wohnten, hatten wohl ein mühevolles Leben, aber da sie fast alle ein Eigentum mit kleiner Landwirtschaft besaßen, so führten sie ein gesichertes und zufriedenes Dasein. - Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts, ja ich möchte sagen bis zum ersten Weltkrieg, hat's in unserer Ecke noch einige gegeben, die der Versuchung zur Wilddieberei nicht widerstehen konnten, es war dieses wohl in den seltensten Fällen durch wirtschaftliche Not bedingt, sondern wurde meistens aus angeborener Leidenschaft ausgeübt. Schwer wurden solche Jagdvergehen bestraft und nach dem ersten Weltkrieg hat dieses Treiben ganz aufgehört. - 
Ja, und wie die Wilddieberei eine böse Leidenschaft, so ähnlich wars auch mit dem Angeln - und dafür war wieder der See gut! Die Angelstöcke wurden von uns Jungens auch aus der Heide geholt, am besten eigneten sich dazu Haselnußgerten, waren sie zu kurz, so wurden sie "angesteckt", d.h. am unteren Ende verlängert, die Schnüre wurden aus Pferdehaaren gedreht - gekaufte Stöcke und Schnüre gab es für uns nicht! Die ganze Fischerei übte überhaupt auf uns Jungens einen unwiderstehlichen Reiz aus. Wenn das Eis im Winter die nötige Stärke hatte und wir sahen, daß die Fischer kamen und ihr Zelt aufschlugen, so waren wir sofort zur Stelle, meldeten uns beim alten Meister Pureit, der meistens dabei war, und ohne den es jahrzehntelang fast garnicht ging. - "Meister dürfen wir helfen?" Selbstverständlich wurden wir immer gebraucht und beim Feierabend zogen wir mit einem Beutel verdienter, frischer Fische glücklich nach Hause! Was war an manchen schönen Winternachmittagen auf der glatten Eisfläche für ein munteres Treiben! Mit Rodelschlitten, auf Schlittschuhen und "mit Schienen unter den Holzklumpen" vergnügten sich Jüngere und Ältere, manchmal bis in die Nacht hinein, draußen! Ebenso wars im Sommer mit dem Baden, die Jugend lag fast tagsüber im Wasser! Als ich mal einen kleinen Nachbarn fragte: "Na, Frötzke, tom wievälte Moal boadst du hiete?" "Tom dreizehnte" lautete die Antwort - und dabei wars erst Vesperzeit, bis zum Abend wurden es noch einige Male! - Die Bauern in den Nachbarortschaften Czarnen und Marlinowen, deren Land bis an den See heranreichte, hatten aus frühester Zeit die Erlaubnis, "mit kleinem 
Gezeug zum eignen Gebrauch Fische zu fangen". Leider wurde ihnen dieses jahrhundertealte Privileg im "Dritten Reich" gewaltsam abgelöst; einige hundert Mark, die sie dafür einmalig ausgezahlt erhielten, war ihnen kein Ersatz für die schöne Vergünstigung. Der See ist übrigens auch erst in den 30er Jahren Staatseigentum geworden, vorher war er in Privathand, hat aber in den Jahren 1918 bis zu der erwähnten Übernahme durch den Staat öfter seinen Besitzer gewechselt. 
Ja, wir Vertriebenen können und werden unsere liebe Heimat nicht vergessen und dazu gehört neben unserem Eigentum auch "unser" Wald und "unser" See! Wir singen so gerne das Liedchen (es ist nicht sehr bekannt, ist etwas "stümperhaft", hat auch nur ein paar Verse): "Nach meiner Heimat zieht's mich wieder..." und wenn es da im zweiten Vers heißt: "Die Wellen rauschen wie vor Jahren, im Walde springt wie einst das Reh" - dann hören wir wirklich die Wellen rauschen und sehen im Walde Rehe und Hirsche springen! Werden wir noch alles einmal wiedersehen? - Wir erinnern uns eines Aufsatzes in unserer Heimatbrücke (Jahrgang 1948/49): "Gott kann!" Liebe Nachbarn und Landsleute, auf Den allein wollen wir unsere Hoffnung setzen! ER kann uns zurückbringen, wir wollen keinen Krieg und kein vernünftiger Mensch will den, wir wissen, dann sind wir alle verloren - aber unser Gott kann Wunder tun, ER kann die Herzen und Gedanken der Staatsmänner lenken, daß es soweit kommt, daß wir noch einmal nach dort zurückkehren können! Und sollte das der Fall sein, eine größere Freude für die Erde kann ich mir nicht mehr denken! Wir würden dort gewiß einen schweren Anfang haben, viel Not und Elend wäre zu überwinden, aber wenn der Staat bzw. eine einsichtsvolle Regierung uns nur im Anfang etwas helfen würde, so möchte es mit Gottes Beistand nach fünf bis zehn Jahren dort wieder ganz anders aussehen! Die Hoffnung auf eine Rückkehr wollen wir in unserem Herzen festhalten bis es einmal wirklich geschehen wird - zum wenigsten aber, solange wir leben!










1 Kommentar:

  1. Liebe Käthe,
    wundervolle Geschichte - ja, Weihnachten!!! :)
    Hab ein großartiges Fest, so ganz nach deinem Geschmack
    Elisabeth

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